Kulturstunde mit Anjali Keshava

Mit grosser Freude habe ich von den Plänen der „Kulturstunde“ für Schulen gehört. Als Tänzerin, Tanzlehrerin und als frühere Primarlehrerin war ich in den letzten 20 Jahren immer wieder in Kunstvermittlungsprojekten an Schulen engagiert. Diese Erfahrungen und Erlebnisse haben mich sehr davon überzeugt, dass in Kunstprojekten in Schulen grosses Potenzial liegt.

Begegnungen mit Kunst in der Schule, wie beispielsweise mit Musik, Tanz oder Theater, sind für mich zu einer Herzensangelegenheit geworden. Immer wieder haben mich Projekte mit Schüler:innen, die ich oft auch gemeinsam mit anderen Kunstschaffenden aus den unterschiedlichsten Sparten durchgeführt habe, sehr berührt.

Ich selbst hätte mir während meiner Schulzeit Begegnungen mit verschiedenen Kunstformen und Kunstschaffenden gewünscht. Wahrscheinlich ging ich damals – aufgewachsen in einer schweizerisch-indischen Künstlerfamilie - davon aus, dass diese Bestandteil der Schule sind. Daher freue ich mich sehr darüber, dass mit der “Kulturstunde” Begegnungen mit Kunstschaffenden in der Schule ermöglicht werden. Besondere Stärken dieses Projektes sehe ich auch darin, dass viele Schüler:innen - unabhängig davon ob sie aus einem kunstinteressierten Umfeld kommen - erreicht werden können und dass sich die Kulturstunde von den Lehrpersonen ohne grossen Mehraufwand in den Schulalltag einbinden lässt. Es soll also für die Kinder wie auch für die Lehrpersonen ein unterstützendes und bereicherndes Format sein.


Und so stand ich an einem Morgen im Juni 2021 im Kanton Aargau in einer Turnhalle, um insgesamt neun Klassen der Primarstufe in die vielseitigen Ausdrucksformen der südindischen Tanzkunst Bharatanatyam einzuführen.

Und ich habe gestaunt, wie konzentriert, interessiert und aufmerksam 50 Kinder in einer Turnhalle sein können, mit wie viel Neugier, Offenheit und Begeisterung, etwas Neues kennenzulernen und auszuprobieren, uns die Kinder begegnet sind.

Während einer Lektion haben sie sich darin geübt Handbewegungen mit Fuss- und Augenbewegungen zu koordinieren und mit ihren Füssen in verschiedenen Tempi zu stampfen.



Sie haben gehört und gesehen, wie wir mit unseren Händen ganze Geschichten erzählen können und wie unsere Augen Gefühle widerspiegeln. Wie können wir mit unseren Händen eine Blüte, einen Vogel, ein Haus oder die Sonne darstellen? Wie können wir Handlungen wie sprechen, hören oder fühlen mit unserem Körper darstellen? Und schon sind wir mitten in unserem Alltag angekommen. Denn wie oft setzen wir bewusst oder unbewusst unsere Hände oder unsere Mimik ein, um unsere Worte zu verdeutlichen oder sie gar zu ersetzen? Oft passiert es nach Workshops, dass die Kinder dann in der Pause weiter üben und ihre eigenen Geschichten weiterspinnen.

Für mich ist es ein Geschenk, wenn ich als Künstlerin mit Schulbesuchen dazu beitragen kann, dass Kinder Einblicke erhalten in die wunderbare Vielfalt an künstlerischen Ausdrucksformen, die unsere Welt hervorbringt. Und es hat noch keinen Workshop gegeben, wo ich nicht auch von den Kindern gelernt hätte.

Ich wünsche dem Projekt viel Erfolg und den Kindern viele kreative, fröhliche und spannende Kulturstunden!


Anjali Keshava

www.kalasri.com

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